Erfahrungsbericht: wie geht es mir nach 3 Jahren Zusammenarbeit mit Jasmin (Mentalcoaching) 

Erfahrungsbericht von Simone Hegner, Dezember 2025

Immer noch unterwegs: Allerdings mit leichterem Gepäck und gelegentlichem Schmunzeln über mich selbst

«Immer noch unterwegs»; so lautete die Überschrift des letzten Kapitels in meinem Erfahrungsbericht zum Coaching mit Jasmin, welcher im April 2024 auf der Webseite von Nunige Sports publiziert wurde. Und immer noch unterwegs, unterwegs zu mehr Ruhe und Frieden mit mir selbst, das bin ich auch heute noch. Dies allerdings mit einem deutlich leichteren Rucksack als noch zu Beginn meines Coachings. 

Dabei hatte ich zu Beginn meiner Zusammenarbeit mit Jasmin ein ganz anderes Ziel als mich selbst weniger ernst zu nehmen: Ich verspürte nämlich damals Ende 2022 einen Leidensdruck aufgrund der stetig noch höher werdenden Ansprüche an mich selbst rund um meine Rennen. Nach 15 Jahren ambitioniertem Freizeitlaufsport waren für mich meine Wettkämpfe vermehrt von diesem mir selbst auferlegten Druck geprägt und nicht mehr von der Leichtigkeit und der Freude der ersten Jahre. 

Mir wurde dann aber bereits während der ersten gemeinsamen Sitzung mit Jasmin klar, dass ich jetzt zusammen mit ihr nicht einfach ein paar Schlüsselwörter für meine Rennen finden kann, um zukünftig wieder befreiter an einer Startlinie zu stehen. Auch mit regelmässigem Visualisieren meines Rennens und täglichem Meditieren in der Woche vor dem Rennen würde es nicht getan sein. Vielmehr realisierte ich, dass ich nicht darum herumkommen werde, mich ernsthaft, ehrlich und offen mit mir selbst auseinanderzusetzen. Wie und wann haben sich diese sehr hohen Ansprüche an mich selbst entwickelt? Gibt es noch andere Lebensbereiche, in denen ich die gleich hohen Ansprüche an mich stelle? Welche Rolle nimmt das Laufen in meinem Leben ein? Welche Säulen wie z.B. meine berufliche Tätigkeit, Familie, Freundeskreis, meine freie Zeit tragen mich sonst noch im Leben? 

Begleitet von Jasmin erkannte ich dann allmählich, dass meine hohen Ansprüche an mich selbst und die damit verbundene Strenge zu meinen Verhaltensmustern gehören, die insbesondere dann automatisch ablaufen, wenn ich gestresst bin. Dieses automatische Ablaufen erklärt auch, wieso es sich so fremdgesteuert, unfrei und sehr unflexibel anfühlt, wenn man wieder nach einem solchen Muster handelt. Und dies sehr oft noch im vollen Bewusstsein, sich damit nichts Gutes zu tun. Im Rahmen des Coachings mit Jasmin und durch das Lesen von Fachliteratur lernte ich, dass diese Muster bei allen Menschen ablaufen, wenn die Ressourcen aufgebraucht sind. 

Durch den regelmässigen Austausch mit Jasmin ist es mir Schritt für Schritt gelungen, in der Rückschau die Umstände zu erkennen, die mich wieder einmal nach einem solchen Muster haben agieren lassen. So konnte ich mit geschärfter Wahrnehmung zurück in den Alltag und mit zunehmender Übung gelang es mir immer besser, dass sich die für mich ungünstigen Umstände gar nie so stark zuspitzten. So habe ich unter anderem erkannt, dass meine Ressourcen an Wochenenden nach Arbeitswochen mit wenig Zeit für mich allein aufgebraucht sind. Entsprechend ist es dann an einem solchen Wochenende wichtig für mich, Zeit für mich allein einzuplanen und mich meinen mir vertrauten Trainingsroutinen zu widmen. Dies, weil ich durch das Training an mir vertrauten Orten und durch die Zeit mir mir allein beim Sein an der Aare oder auf dem Gurten, Spaziergehen oder Kochen meine Ressourcen wieder auftanken kann. Ich lernte durch das Coaching und das Lesen von Fachliteratur, dass diesbezüglich die Menschen verschieden sind und dass alle Strategien in Ordnung sind, solange sie den Betroffenen guttun: Einige tanken ihre Ressourcen wieder auf, indem sie gerade bewusst Freunde treffen, ausgehen oder an einem unbekannten Ort trainieren gehen. Im meinem Fall brauchen Zugreisen und viele Menschen um mich herum immer auch Ressourcen auf. Und wenn ich mich genau an einem solchen Wochenende noch an einen Vorbereitungswettkampf «zwinge», weil der aufgrund meiner hohen Ansprüche an mich als Athletin gut wäre für meine Formentwicklung, so macht der dann ziemlich sicher mehr Stress und hohe Ansprüche anstatt Freude.

Und wo hat mich nun das als Sportmentalcoaching gestartete Coaching mit Jasmin sportlich hingeführt? Ich habe mich Mitte Oktober 2025 tatsächlich an ein Rennen in der Türkei gewagt, mein erstes Rennen «weit weg» von daheim und dann noch in der Türkei. Und dies über eine Distanz, die ich seit 13 Jahren nicht mehr gelaufen bin. Auf dem Weg an die Startlinie des «Cappadocia Medium Trails» gab es immer wieder Momente mit grossen Zweifeln in mir drin, ob diese Herausforderung nicht mindestens eine Nummer zu gross ist für mich. Das gemeinsame Besprechen meiner Bedenken und Befürchtungen zusammen mit Jasmin haben diese dann zum Glück regelmässig wieder verkleinert. Ich realisierte, dass dieses Rennen in der Türkei mich nun dazu bringt, mich auf etwas einzulassen, das ich nicht perfekt und mit allen Sicherheiten durchplanen kann und mich damit etwas aus meiner Komfortzone zwingt. Und das mich-Herauswagen aus dieser Komfortzone hat sich mehr als ausbezahlt: Ich habe in Kappadokien eine wunderbare Woche vor dem Rennen verbracht und viele lieben einheimischen Menschen kennengelernt. Entsprechend stand ich mit einer grossen Dankbarkeit an der Startlinie. Ich fühlte mich sehr dankbar dafür, dass ich als Frau mein Leben selbst in die Hand nehmen und wirtschaftlich unabhängig sein kann, was mir das Laufen erst ermöglicht. Diese Dankbarkeit und das Gefühl von «Ich habe eigentlich jetzt schon gewonnen, weil ich hier bin und starte.» haben mich über die 62km und die 2’000 Hm getragen und mich mit einem grossen Lachen im Gesicht ins Ziel einlaufen lassen. Und vor allem hat mich diese Erfahrung und der Weg dorthin staunen lassen, wohin mich mein grösseres Verständnis für mich selbst und mein liebevollerer Umgang mit mir selbst inzwischen schon tragen.

(Wichtige Klammerbemerkung: Guy Nunige hat mich perfekt auf den «Cappadocia Medium Trail» vorbereitet, wie davor auf so manches anderes Rennen auch. Ich bin ohne Probleme am Bewegungsapparat oder anderer physischer Natur über die wunderbare Strecke gelaufen.)

Auch im beruflichen Bereich traue ich mir heute deutlich mehr zu als noch vor drei Jahren. Durch das Coaching habe ich unter anderem gelernt, dass meine sehr feine Wahrnehmung für alles Zwischenmenschliche (was an Wettkämpfen sehr anstrengend sein kann…) oder meine sehr akribische und strukturierte Herangehensweise (was mich lange von Rennen im «wilden schwer planbaren Ausland» abgehalten hat) mein Arbeitsteam und mich gewaltig voranbringen können. Oder ich bringe meine für mich gelernte vorausschauende Art der Wochenplanung viel häufiger offen in mein Arbeitsteam ein. Und ich merke, dass das gesamte Team davon profitiert.

In diesem Sinne bin ich immer noch unterwegs: Unterwegs zu neuen Abenteuern in meinem geliebten Laufsport, unterwegs zu neuen beruflichen Herausforderungen wie Führungsaufgaben, die mir so langsam auch Freude und nicht mehr nur Unbehagen bescheren. Und vor allem auch unterwegs zu noch mehr Gelassenheit und Schmunzeln über mich selbst, wenn ich meinen Ressourcentank wieder einmal zu fest aufgebraucht habe und entsprechend wieder einmal nach einem wohlvertrauten alten Muster agiert habe…